Wir beantragen, dass alle Stuttgarter Museen über die gesamten Sommerferien das Modell des Freien Eintritts in einer Testphase anbieten, um den sowieso sehr besucherschwachen Sommer so zu beleben und zu evaluieren, welche neuen Besucher*innengruppen in die jeweiligen Häuser kommen. Im Anschluss soll diese Testphase an einem Runden Tisch gemeinsam mit dem Kulturamt ausgewertet werden, um hinsichtlich einer Fortführung des Angebots die Kompensationssumme ansetzen zu können und sich über eine pragmatische Umsetzung auszutauschen.
Deshalb soll dieser Antrag gemäß § 34, Abs. 1 GemO spätestens auf die übernächste Tagesordnung des Verwaltungsausschusses gesetzt werden.
Begründung:
Kultur darf nicht zum trennenden Moment und Luxusgut in unserer Gesellschaft werden. Gerade die Begegnung mit Kunst und Kultur bringt Menschen aus unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten zusammen. Das haben wir erst wieder beim Public Viewing Event dieses Frühjahr in Stuttgart erlebt – es geht darum den Bürger*innen gemeinschaftliche Erlebnisse und Räume dafür kostenfrei anzubieten. Demokratie wird im Miteinander gestärkt, da wir Menschen außerhalb unserer Lebensrealität begegnen und in den Dialog treten.
Kunst war schon immer ein relevantes politisches Moment. Der Besuch des Kunstmuseums Stuttgart kostet dank einer Förderung im Rahmen des Jubiläumsjahres keinen Eintritt – allein im ersten Quartal 2025 sind mehr als doppelt so viele Menschen ins Museum gekommen (knapp 140.000). Interessant hieran ist laut der Museumsleitung, dass das Museum zu anderen Zeiten besucht wird, die bisher nicht relevant waren, und das ganz neue Besucher*innengruppen das Haus betreten, teils nur kurz aber dafür mehrmals. Gerade Familien, die regulär bis durchschnittlich 30 € oder mehr zahlen müssten und Jugendliche sind plötzlich präsent im Museum. Die Stimmung ist gut, die Barriere ist durchbrochen. Zusätzlich ergänzt das Kunstmuseum den freien Eintritt mit einem breiten Vermittlungsangebot, das auch gratis ist.
In anderen Städten wie beispielsweise in München, Frankfurt und Erfurt gibt es unterschiedliche Gratiseintrittsmodelle – dadurch betreten ganz neue Besuchergruppen die Museen und erleben diese als selbstverständliche Orte, an denen sie willkommen sind. Unangenehme Momente wie das Vorzeigen einer Bonuscard oder ein erdrückender Preis werden hier einfach umgangen. Stuttgart kann hier mit seinen städtischen Museen den ersten Schritt gehen, um dann das Land mit ins Boot zu holen und in der gesamten Stadt ein attraktives und zeitgemäßes Angebot zu machen, welches nicht von einzelnen Häusern wie dem Hotel Silber oder der Dauerausstellung des Stadtpalais, der Bonuscard oder dem Kulturpass abgedeckt werden können. Das intransparente und komplizierte Angebot der Stadt Stuttgart muss klarer werden, um mehr Menschen zu erreichen. Auch im Rahmen des Hitzesofortprogramms der Landeshauptstadt Stuttgart macht es nur Sinn dieses durch klimatisierte Orte zu ergänzen.
Wir gehen davon aus, dass durch dieses Angebot keine weiteren Kosten entstehen, da die Museen sowieso auf haben, Aufsichten vor Ort sind und für einen freien Eintritt keine Tickets ausgedruckt werden müssen, sondern lediglich Besucher*innenzahlen aufgenommen werden (so wie es momentan im Kunstmuseum gehandhabt wird). Zudem wird die Kompensationssumme eher sehr gering sein und nicht wirklich ins Gewicht fallen. Der gesellschaftliche Mehrwert hingegen wird enorm groß sein.
Dieses Sommergeschenk an die Stuttgarter Bürger*innen soll schnellstmöglich groß beworben werden, damit es direkt anlaufen kann.
gez.
Sara Dahme
Dejan Perc
Jasmin Meergans (Fraktionsvorsitzende)