Die Verwaltung wird beauftragt,
1. ein Pilotprojekt zur Überarbeitung und „Übersetzung“ ausgewählter Bescheide
und behördlicher Schreiben in verständliche, bürgerfreundliche Sprache zu
starten,
2. sich dabei am Modellprojekt der Universitätsstadt Marburg zu orientieren, das
behördliche Dokumente durch verständlich formulierte Zusatztexte ergänzt,
3. zunächst besonders häufig versandte und für Bürgerinnen und Bürger
relevante Schreiben (z. B. aus dem Sozialbereich, Bürgerbüro, Ordnungsamt)
einzubeziehen,
4. die Auswirkungen des Projekts auf Bearbeitungszeiten, Rückfragen,
Widersprüche und Bürgerzufriedenheit zu evaluieren und
5. dem Gemeinderat nach einem Jahr über die Ergebnisse sowie über eine
mögliche Ausweitung auf weitere Bereiche zu berichten.
Ferner beantragen wir, diesen Antrag gemäß §24, Abs. 3 (GemO) zur Abstimmung auf die Tagesordnung des Verwaltungsausschusses am 20. Mai 2026 zu setzen.
Begründung:
Viele Bürgerinnen und Bürger empfinden den Kontakt mit Behörden als unnötig kompliziert – nicht selten aufgrund schwer verständlicher Sprache. Selbst
grundlegende Schreiben sind häufig von juristischen Formulierungen geprägt, die für Nicht-Fachleute schwer zugänglich sind. Dies führt zu Unsicherheiten, Rückfragen und im schlimmsten Fall zu Fehlentscheidungen.
Die Universitätsstadt Marburg hat hierzu ein wegweisendes Pilotprojekt gestartet:
Behördliche Bescheide werden durch verständliche Erläuterungen ergänzt und in klarer, bürgernaher Sprache erklärt. Erste Erfahrungen zeigen, dass dadurch
Missverständnisse reduziert, Rückfragen verringert und Verwaltungsprozesse effizienter werden.
Auch aus medien- und gesellschaftspolitischer Perspektive ist dieser Ansatz sehr relevant. Seit Jahrzehnten besteht eine Diskrepanz zwischen der Lebensrealität der Bürgerinnen und Bürger und der Sprache der Verwaltung. Zwar existieren vielerorts Angebote in „Leichter Sprache“, doch der entscheidende Schritt fehlt häufig: die konsequente Verständlichkeit in den regulären Verwaltungsdokumenten selbst.
Dabei zeigt das Beispiel Marburg, dass rechtssichere Formulierungen und verständliche Sprache kein Widerspruch sind. Im Gegenteil: Eine klare Kommunikation stärkt das Vertrauen in staatliches Handeln, reduziert bürokratische Hürden und trägt aktiv zum Bürokratieabbau bei.
Für Stuttgart als moderne, bürgerorientierte Verwaltung bietet sich hier die Chance, eine Vorreiterrolle einzunehmen. Eine verständliche Verwaltungssprache:
• stärkt die Bürgerfreundlichkeit und Serviceorientierung
• verbessert die Zugänglichkeit staatlicher Leistungen
• reduziert Rückfragen und Verwaltungsaufwand
• fördert Transparenz und Vertrauen in öffentliche Institutionen.
Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Komplexität staatlicher Leistungen und
einer vielfältigen Stadtgesellschaft ist eine klare, verständliche Kommunikation ein zentraler Baustein guter Verwaltung.
Gezeichnet
Dejan Perc, Dr. Maria Hackl, Jasmin Meergans (Fraktionsvorsitzende)